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Aemtler Wirte unter Dampf
Wirte von
Gastro Affoltern auf Reise
Es war
keiner der schwülheissen Sommertage, wie sie uns Ende August beschert
wurden. aber auch keiner der nasskalten Tage, die uns manche
Sommerferientage vermiesten. Der Tag nach dem kühlenden, verregneten ersten
September Sonntag, begann denn auch mit leichtgrauem, wolkenbedecktem
Himmel, als sich die gut dreissig Wirte im sonnigen Tal unseres ehemaligen
Vorstandsmitgliedes und Organisator unserer Wirtereise trafen. Punkt viertel
vor Neun setzte sich der silbrige Stern mit fast allen Teilnehmern in
Bewegung und fuhr Richtung Innerschweiz nach Nidwalden. Während der
angenehmen Reise erklärte uns der aus der Region stammende Reiseleiter, was
wir hinter den Nebelregen verhangenen Bergzügen erwarten könnten: Den
stolzen Pilatus mit einer herrlichen Aussicht in die ganze Innerschweiz und
den historischen Ächerlipass, der den napoleonischen Eroberern den Weg nach
Obwalden ermöglichte.
Bald war
unser erstes Reiseziel erreicht. Schon von weitem sahen wir den, sich von
den blassgrauen Wolken unterscheidende, braungraue Rauch-Dampf der mehr als
hundertjährigen Lokomotive, die uns in Giswil erwartet und welche uns in den
drei aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts stammenden Erst-, Zweit- und
Drittklasswagen gemütlich und mit mehreren längeren Aufenthalten über den
Brünigpass und Meirigen nach Brienzwilern führte. Natürlich wurde auf der
mehr als einstündigen Fahrt auch ein Aperitif mit einheimischen Produkten
kredenzt. Die chüschtig-heissen Wienerli stammten aus der Giswiler Metzgerei
von Moos wo unser Reiseleiter vor einigen Jahrzehnten die Lehre absolviert
hat. Auch das Mineralwasser hat historische Bedeutung, war doch Henniez vor
Jahrzehnten der Innbegriff fürs Chrüseliwasser. Auch Haldengut und Eichhof
waren typisch schweizerische Biermarken – waren. Der Johannisberg, einst als
Jonny-Hügel verschrieen, entpuppte sich als hervorragender Topfen, welcher
von der ausgezeichneten Walliser Oenologin Madleine Gay für Provins
gekeltert wurde. Gemütlich mit dem Glas in der Hand schauten wir den
Bähnlern zu, wie sie bei fast jeder Station mit dem Feuerwehrschlauch den
Dampfkessel auffüllten und Kohle nachschossen. Gegen Mittag war der Dampfzug
in Brienzwilern, wo uns der silberne Stern zum Freilichtmuseum Ballenberg
führte.
Noch
hatte sich der Regen nicht ganz verzogen, obwohl dies von den Meteorologen
eigentlich vorausgesagt wurde. Mit Regenschirm und Kapuze schritten wir
durch die Walliser Mühle aus Törbel, die Roggenkorn zu Mehl werden liessen,
durch weite Berner Bauernhöfe und grosszügig ausgebauten Waadtländer
Patrizierhäuser. Auch die Knonauer Knochenmühle und das Mettmenstetter
Bienenhaus durfet auf den Rundgang nicht fehlen. Zum Imbiss trafen sich dann
viele, der sich in der Zwischenzeit aufgeteilten Gruppen im wieder
aufgebauten alten Gasthof ‚Degen’ der 1891 gebaut wurde und bis vor wenigen
Jahrzehnten in Hünenberg stand. Für viele Ämtler Wirte war es ein
nostalgischer Besuch. Eine spannende Führung von Ballenbergmitarbeitern gab
einen detaillierten Einblick in die Baukunst früherer Jahrhunderte, so
ergibt manches Sprichwörter einen, wie zum Beispiel „etwas auf die hohe
Kante legen“. In den alten Häusern wurde knapp unter der Decke eine
zusätzliche Ablage eingebaut, die hohe Kante, die für Kinder unerreichbar
war und auf der wichtige Dokumente gelagert wurden, wie die Bibel.
Sekretär Gastro Affoltern